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 Thema: Der allgemeine Bücherthread, Band XIII ( Jetzt auf Deutsch in zwei teuren Teilthreads! )
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Irdorath

AUP Irdorath 07.04.2014
Stich ins Herz. traurig
09.09.2021 13:46:18  Zum letzten Beitrag
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Atti Atterkopp

X-Mas Arctic
 
Zitat von Irdorath

Stich ins Herz. traurig


Jup, genau darum gings traurig
09.09.2021 20:57:37  Zum letzten Beitrag
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[Amateur]Cain

Amateur Cain
 
Zitat von M`Buse

 
Zitat von [Amateur]Cain

 
Zitat von M`Buse

Oh das klingt interessant. Gib Mal Review vong Lesbarkeit, wenn du in einer Woche damit durch bist.



Das wäre auf dem Ponyhof gewesen; nun wird es ewig dauern. Ich muss ohnehin erstmal 1177 B.C. beenden.



Das klingt auch interessant. Gefällt dir das Buch?
Ab und an Mal ein Sachbuch kann mir ja nicht schaden peinlich/erstaunt



Ich bin jetzt durch. Das sagt irgendwie schon alles. Aber auch nicht. Breites Grinsen

Also das Thema ist ULTRAinteressant. Und die einzelnen Sachen da drin sind auch wirklich fesselnd. Einersetis. Andererseits ist das Buch wirklich anstrengend und ich weiß nicht mal warum! Cline kann schon populär schreiben, ein paar Mal musste ich sogar lachen. Aber trotz eines interessanten Themas und guter Schreibe war es zäh. Ich weiß nicht warum. Aber ich habe unheimlich viel gelernt und werde auf jeden Fall mehr über die Bronzezeit lesen. Vielleicht ist die deutsche Übersetzung leichter zu verdauen.

[Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert; zum letzten Mal von [Amateur]Cain am 10.09.2021 8:35]
10.09.2021 8:32:31  Zum letzten Beitrag
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M'Buse

AUP M@buse 22.12.2015
Die deutsche Übersetzung liegt schon bei mir auf dem Couchtisch peinlich/erstaunt
10.09.2021 8:35:15  Zum letzten Beitrag
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[Amateur]Cain

Amateur Cain
Dann berichte mal. Breites Grinsen
10.09.2021 8:35:52  Zum letzten Beitrag
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Damocles

AUP Damocles 15.05.2009
 
Zitat von Damocles


Kennt jemand nen guten One-Shot aus Sci-Fi oder Fantasy? Warbreaker von Sanderson als Beispiel



Danke für die Empfehlungen, Murderbot hatte ich eh auf der Liste, aber das ist ziemlich teuer...

Die zwei sind es jetzt geworden:


13,59¤ zusammen, passt.
10.09.2021 17:55:58  Zum letzten Beitrag
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Wraith of Seth

wraith_of_seth
In Spanien trat vor Kurzem ein erzkonservativer Bischof wegen einer Beziehung zu einer Autorin zurück. Also musste ich ihre Buchtitel mal recherchieren, und das liest sich relevant für Cains verbotene Facebook-Lektüren:
 
The author of the Amnesia Trilogy "Passion and Madness" surprises us again with "Hell in Gabriel's Lust: The First Capital Sin Against Being" where reality, delirium and fiction intermingle in a novel of frenetic rawness and intensity; in which the reader will be transported through the world of prisons, psychopathy, sects, sadism, madness, lust and, little by little, as the story progresses, also towards the unreality of immortality and the crude struggle between good and evil, between God and Satan, and between Angels and Demons; all this, at the hands of the antagonistic protagonists of Gabriel - psychopath, mentally ill or demon? - and Helena - prison research psychologist, mentally ill or angel? - The author will once again shake us up in a whirlwind of sensations where she will once again, with direct language and an unprecedented plot, put our moral system, our values and our religious beliefs in check. The journey begins and the reader is warned that it will be full of dangerous curves and unexpected twists and turns. "The heavens and the earth that now exist are saved for the fire".

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


Breites Grinsen

_________________________

                 ✽✽✽
_________________________

Elizabeth Peters - Crocodile in the Sand

Kurzweilig. Der Anfang bemüht sich etwas arg, altmodisch zu klingen, und schafft es selbst meinen Enthusiasmus für purpurne Prosa zu überstrapazieren. Nach ein, zwei Kapiteln fängt sie sich aber, und es wird deutlich moderner und lesbarer.

Das Buch lebt letztlich von seinen Charakteren und deren Interaktion. Es bedient auch meine Schwäche für Kooperation als tragendes Element, aber leider hat es durchaus einige Ecken und Kanten: Ausgerechnet die Liebesgeschichte die die Reihenübersicht vor dem Vorwort bereits im ersten Satz spoilert(!)* bewegt sich überaus ruckartig voran. Das liegt zum einen an der Erzählperspektive und dem Stil, zum anderen daran, dass das Buch als Einzelwerk angelegt war. Die zweite Fortsetzung (und eine laaaange Reihe) kam erst deutlich später. Einige Andeutungen der Nebencharaktere funktionieren super—oder würden es, wenn die Autorin die Auflösung über mehr als einen Band hinweg geplant hätte. So bieten <300 Seiten wenig Platz für eine Liebesgeschichte, die als notorisches "Wann raffen die beiden es denn jetzt endlich?" wunderbar funktioniert.

Auch die Krimihandlung an sich war irgendwie eher halbgar und durchwachsen. Den meisten Spaß hat man immer noch, wenn sich die Charaktere einfach in ihrer Schablone entfalten können; gerade die Hauptfigur Amelia Peabody ist wunderbar unterhaltsam als stereotype Suffragette und selbsterklärte Jungfer.

Eine andere Stärke sind die eingestreuten, ägyptologischen Infos von Peters. Als Ägyptologin weiß sie, was sie macht.

Mein Hauptgrund, weiter an der Reihe zu bleiben, ist obiger Vergleich mit der Lady Trent Reihe von Marie Brennan. Das kommt nicht soviel neues. Die Sprache wirkte mehr aus einem Guss bei Brennan (aber das kann daran, liegen, dass ich hier halt eins von 18/19? Bücher nur zum Vergleich ran ziehe und Brennen schon vor ein paar Jahren gelesen habe), Brennan ist ähnlich offen mit den feministischen Tönen (Unterton ist es nicht mehr); Brennan hat aber den definitiven Vorteil, dass sie das Thema Drachen nutzt, um Lady Trent über den Globus zu hetzen. Peabody ist, soweit ich weiß, mehr oder weniger ans Niltal und Umgebung gebunden.

Ich bin auch der Ähnlichkeit noch mal weiter nachgegangen: Brennan hat wohl tatsächlich vor urewigen Zeiten den ersten Band gelesen, und vor kurzem nach vielen ähnlichen Vergleichen einen späteren. Aber es zumindest keine bewusste Kopie/Hommage.

*) Der Spoiler ist außerdem sehr ärgerlich, weil das halt der fucking erste Band ist; das man den Neuleser im zehnten Band an die Hand nimmt? Ok. Aber sowas…? Da fällt es fast nicht ins Gewicht, dass der erste Band der "Amelia Peabody Murder Mysteries" kein Murder Mystery ist, wie auf dem Einband beschworen. Davon ab gefällt mir aber die quietschbunte Naivenmalerei der Ausgabe, die ich gewählt habe.peinlich/erstaunt Vor allem verglichen mit der 5min-Photoshop-Groteske der anderen Taschenbuchausgabe. Da gibt es Selbstverlage, die das besser hinbekommen.

Thou hast undone our mother. - Villain, I have done thy mother.
[Dieser Beitrag wurde 6 mal editiert; zum letzten Mal von Wraith of Seth am 13.09.2021 21:15]
10.09.2021 23:26:42  Zum letzten Beitrag
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Wraith of Seth

wraith_of_seth
...
Versus Mode Engage!

Lao-tse (Übersetzung Günther Debon)/Lao Tzu (Fassung Ursula K. LeGuin [mit Hilfe von J.P. Seaton]) - Tao-Tê-King/Tao Te Ching



Erstmal ein Disclaimer: Ich habe das Reclam-Heftchen schon vor einer ganzen Weile (~2,5 Jahre) gelesen und mich fürchterlich über die Ausgabe geärgert. Als ich dann von der Existenz einer Fassung von LeGuin hörte, stand mein Entschluss fest, das Ding in die Finger zu kriegen, war sie es doch, die mich überhaupt ernsthaft darauf gestoßen hat, das zu lesen. Ich habe dann auch einige Sachen noch mal in der Reclam-Fassung nachgelesen, aber wirklich nicht alles. Grund folgt.

Die Übersetzung und Fassung haben einige merkliche Unterschiede schon von Anfang an: LeGuin spricht kein Chinesisch und macht auch keine Anstalten, ihre Fassung als Übersetzung zu verkaufen, sondern von vornherein als ihre Interpretation. (Auch wenn Text, Fußnoten, Kommentare und Eingebungen Seatons imho gerade im Vergleich mit der deutschen Übersetzung dann doch diese Qualifikation zulassen würden, und sich LeGuin da nicht ernsthaft unter irgendjemandes Scheffel stellen muss. Aber vielleicht ist das einfach gelebter Taoismus.verschmitzt lachen) LeGuin kann auf einen neuen, älteren[sic!] Text zugreifen, der Debon noch unbekannt war. (Coolerweise konnte er an einigen Stellen bereits Sachen als eingefügten Kommentar erkennen, den dieser Text als solche gezeigt hat!) Debon scheint sich vor allem akademisch zu verstehen, LeGuin politisch und religiös. LeGuins Fassung ist von 1998, Debons 1961.

Aber es gibt auch eine große Gemeinsamkeit: Beide versuchen, die poetische Form beizubehalten.

Aber brrr, regt mich die Reclam-Fassung immer wieder auf, gerade WEIL sie das versucht: Da werden alle möglichen Archaismen und kruden Grammatikbiegungen genutzt, die Deutsch bei schlechter, altertümlich-exotischer Stilistik in der Poesie an den Tag legen das kann. Das Resultat liest sich meist sperrig, teils sogar völlig unverständlich krude, oft mit einem seltsamen, impliziten Exotizismus und Mystizismus unterlegt, obwohl gleichzeitig ein mitunter sehr zum Inhalt vieler Kapitel widerstrebende Obrigkeitshörigkeit gepredigt zu werden scheint. LeGuin zielt immer darauf ab, dass, wenn möglich, eine einheitliche Botschaft durchscheint. In den Kommentaren hat sie dann ab und zu alternative Übersetzungen, die die "Anleitungen zur Regentschaft", die viele Übersetzungen reinlesen, mehr zum Vorschein bringt. Bei LeGuin ist das Resultat fast schon das, was ich bisher vom Zen/Chan-Buddhismus zu verstehen glaube. Das ist nicht weiter verwunderlich, aber schön zu sehen, wurde dieser doch massiv vom Taoismus beeinflusst. Bei Debon ist das Resultat entweder unverständlich, autoritär, widersprüchlich und wirr. Beispiel: Ein Kapitel, das LeGuin sardonisch mit "So much for capitalism." in der Fußnote kommentiert, wird laut Endnoten von Debon mit einer Reihe von "doch"s garniert, was die Botschaft zu einer Aneinanderreihung seltsamer Allgemeinplätze reduziert.

Beide diskutieren in den Endnoten oft ausgiebig alternative Lesungen. Aber bei Debon sind das oft Referenzen auf Kommentarwerke und chinesische Primärquellen, die man nur als Dogma abnicken kann, ohne jede Kontextualisierung. Die Einleitung führt die meisten davon ein (oh Wunder! mit den Augen rollend ), aber in einer derartigen Dichte, dass dem Nicht-Sinologen wieder nur abnicken bleibt. Wenn LeGuin alternative Lesungen präsentiert, dann immer aus der Perspektive von jemandem, der eben kein Chinesisch beherrscht oder keinen Zugriff auf derlei Quellen hat. Das macht zum einen den Schaffensprozess nachvollziehbarer, aber sie erklärt zum anderen auch meist explizit, WARUM sie eine bestimmte Alternative gewählt hat. Debon beschränkt sich meist auf ein: "Weil isso." Vielleicht mit einem "imho". Sehr geiles Beispiel: "Ja, also, eigentlich ist das veraltete Wurt "Tucht" hier passender als "Tugend"." Den Kommentar macht er mindestens zweimal. Ich habe es nachgeschlagen, und seine Begründung dafür hinterlässt nur noch (bestenfalls) Fragezeichen—denn meist wird es explizit als synonym angegeben oder mit Tugend beschrieben. Bestenfalls findet man "Tucht und Tugend" als feststehenden Begriff. Ob das als "Kind und Kegel" (also zumindest rechtlich etwas unterschiedliches) oder "Feuer und Flamme" (also deutlich mehr Hendiadyoin) zu verstehen ist, lässt sich irgendwie nicht mehr nachvollziehen. Erst recht nicht mit der lapidaren Sicherheit eines Debon.

LeGuin versucht die Sprache leicht verständlich zu halten, Debon nicht. Meine Sorge ist zwar, dass es damit zusammenhängt, dass ich meine Muttersprache verlerne, aber das ist auf einem Level, wo ich das schon nicht mehr als alleinigen Grund liefern könnte. Wenn LeGuin mal auf Begrifflichkeiten oder Bilder des alten China zurückgreifen muss, erklärt sie das. Debon macht da selten einen Bogen drum und erklärt es meist nicht, außer mit gelegentlichen Referenzen. Debon schreibt auch keine Interpretationen dazu, sondern verweist auf "kommentiert durch [Name]". Was nicht nur wenig hilfreich ist—es ist obendrein fürchterlich dogmatisch/kontextlos.

Die Sentenz, die bei LeGuin rumkommt, ist irgendwo zwischen Koan, Pazifismus und Anarchismus, gelegentlich mit ironischer Untertönen; bei Debon irgendwas zwischen einem chinesischen "Der Fürst" (handle so, um deiner Untertanen Herr zu werden!), Buddhismus und "darum ist China so AnDeRs", immer im Tonfall eines Hohepriesters, der von oben herab predigt.

LeGuin ist der klare Gewinner. Auch wenn ich natürlich megavoreingenommen ihr und ihrer Politik zugunsten bin. Von Debons Positionen weiß ich nichts als das, was durch den Stil der Übersetzung durchscheint. Das (partielle!) parallele Lesen hat zwar durchaus manchmal leichten Erkenntnisgewinn gebracht, aber oft mehr aus philologischer Sicht ("Hey, cool, das konnte erahnt werden, bevor es die ältere Schrift bestätigte!"/"Ah, hier fehlt die doppelte Verneinung der älteren Schrift auch in der Übersetzung.") als wirklich philosophisch.

Thumbs Up für LeGuin. Philosophie für Linke in Zeiten der Klimakrise.

Does anyone here speak l33t?
12.09.2021 16:49:36  Zum letzten Beitrag
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Wraith of Seth

wraith_of_seth
froehlich grinsen


Breites Grinsen

Taking advice from cartoon characters is probably a bad idea.
13.09.2021 21:13:26  Zum letzten Beitrag
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[Amateur]Cain

Amateur Cain
...
"It's fun like watching ... a car crash ... but the car crash is a penis."

Breites Grinsen
[Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert; zum letzten Mal von [Amateur]Cain am 13.09.2021 21:17]
13.09.2021 21:15:25  Zum letzten Beitrag
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Atomsk

Atomsk
Pfeil


daniel grad im livestream mit joe abercrombie.
14.09.2021 19:07:47  Zum letzten Beitrag
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Wraith of Seth

wraith_of_seth
...
Sudhir Venkatesh - Gang Leader for a Day

Das Buch macht exakt das, was es verspricht: Es erzählt, größtenteils als Autobiografie, Venkateshs Feldarbeit in einem von Chicagos Housing Projects für seine Doktorarbeit. Das deckt etwa '89—'96 oder so ab.

Es beschäftigt sich wenig mit den eigentlichen akademischen Aspekten, die dann vielleicht eher in Freakonomics ausgeführt werden. Vor allem ist es irgendwas zwischen Bildungsroman, Autobiografie, Biografie, long form journalism, Ethnografie. Es ist dabei durchaus wunderbar gut wegzulesen. Ich habe selten Sachbücher derart schnell gelesen, aber es ist auch sehr im typisch amerikanischen Journalismusstil geglättet, der das ermöglicht und zugleich irgendwie oft die Individualität des Autors oder der wiedergebenen Menschen abtötet.

Das ist ein bisschen schade, weil die Beschreibung der sozialen Netze, der Komplexität von Menschen zwischen ihren Rollen als Eltern und Drogensüchtigen, der vielen internen wie externen Kräfte und Zwänge wirklich packend ist. Die Erklärung von vielem davon ist dann oft, weil mehr Narrative als Sachbuch, nur wenige Sätze lang; wie beispielsweise, dass viele Journalisten einfach nicht genug Vertrauen genießen, um adäquat und ausgewogen zu berichten, zumal sie sich oft auch mit der Polizeiperspektive auseinander setzen und damit dann jedes Restvertrauen verlieren. Wirklich neue Erkenntnisse waren da dann insgesamt für mich nicht wirklich dabei; aber die Komplexität wird trotzdem deutlich besser greifbar als es mein sonst doch arg akademischer Zugang so zulässt. Vergleichbar mit The Wire, in vielerlei Hinsicht.

Die vielen moralischen und akademischen Fehltritte, die Venkatesh in seiner immer wieder betonten Naivität dann begeht machen es aber auch oft unangenehm aus Gründen, die nicht im Thema begründet sind. Denn auch wenn vieles davon durchaus als mangelndes Bewusstsein über seine Mittelklasse-Privilegien durchgeht (und die Aufklärung darüber, ohne das böse P-Wort zu offen in den Mund nehmen zu müssen, wohl auch der Hauptimpetus hinter dem Buch sein dürfte), sind einige seiner Fehltritte imho auch symptomatisch für wirklich unbrauchbare Inhalte an Unis… Als beginnender Doktorand in Soziologie noch wenig von Ethik und Studiendesign zu verstehen, ist ja noch verständlich, aber dass er dann nach Jahren noch in gigantische Fettnäpfchen tritt, wenn es um Ethik, Folgen und Gesetzeslage angeht, ist ein Armutszeugnis für ein Doktorandenstudium. Und das ist, was man in einem Buch zu lesen bekommt, dass immer wieder betont, wie unzuverlässig seine Quellen sind, wie wenig er manchmal seine eigenen Motivationen und Aktionen hinterfragt, von jemandem geschrieben, der seine Naivität und Offenheit in den Vordergrund stellt. Das resultiert darin, dass ich irgendwie etwas vermisse, was über das bloße Beobachten hinaus geht. Da bleibt dann bei aller Lebendigkeit, bei aller emotionaler Wirkung manchmal das Gefühl zurück, nur den teilnehmenden Teil einer für das Laienpublikum editierten Ethnografie zu haben, ohne ausreichend Kontext zu haben, um das wirklich so hundertprozentig einordnen zu können. The Wire geht da immer härter mit Systemen und Institutionen ins Gericht, was die ganze subjektive Komplexität etwas gerichteter werden lässt.

Das macht das Buch nicht schlecht. Es ist toll und auf seine Art "unterhält es" (für sehr, sehr weit gefasste Begriffe von Unterhaltung, bei denen man auch fassungslos und hilflos zurückgelassen werden darf). Das ist vor allem viel Text, warum ich es toll, aber nicht megatolll fand.

Quoth the raven, "Nevermore!"
15.09.2021 1:53:35  Zum letzten Beitrag
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Wraith of Seth

wraith_of_seth
...
Genevieve Cogman - The Dark Archive

Der siebte Band der Reihe war ein ziemlicher knaller, nach dem etwas farblosen sechsten Eintrag. Aber die Stärke der Reihe, wie eine gute Fernsehserie einerseits eine in sich geschlossene Handlung pro Folge zu präsentieren, andererseits aber es wohl dosiert im Hintergrundplot einzubetten, kam hier besonders gut zur Geltung. Dinge, die sich über die vorigen Bände immer stärker aufdrängten erfuhren (endlich?) eine Beförderung zu Charakterwissen, und deuteten die nächsten Entwicklungen an.

Mein persönliches Manko ist, dass die Oktanzahl absurd hoch ist: Jedes Kapitel hat immer Action, mit Ausnahme, vielleicht, von Prolog, Epilog und (manchmal) dem letzten Kapitel. (Sicher finden sich in anderen Bänden Ausnahmen, aber der aktuelle Band war da ein Beispiel aus dem Bilderbuch für.) Entsprechend hat man selten mal ein Kapitel, in dem man den Charakteren beim entspannten Menscheln zusehen darf. Was nicht heißt, dass man es nicht genießen kann. Es ist prima Crack auf Seiten, was ich wieder in wenigen Stunden und etwa zwei Sitzungen weg gebechert habe. Außerdem haben die Bücher dadurch tatsächlich packende Rückentexte, die selten über das erste Kapitel hinaus gehen können. Hat auch was für sich—man weiß genau, was man bekommt, ohne sich nur auf nichtssagende "Ich fand das toll!"-Blurbs von Agathe Autorin, Karl Kritiker und Zauselige Zeitung verlassen zu können.

Wundervolle Unterhaltung: Gute Charaktere und eine herrliche metatextuelle Art Magie und Welt miteinander zu vereinen. Manchmal ist es ein wenig wie TV-Tropes: The Series, aber das Magiedesign lässt das prima wuppen.

Die (britische?) Ausgabe ist wieder selbst als Taschenbuch ein Augenschmaus im Regal, die Bände machen was her, auch wenn die Prägefolie bei einigen Bänden gerne mal an der Hand bleibt. Der aktuelle Band ist da erfreulich robust, obwohl er wieder Hochglanzgold ist. Sie stehlen Harry Dresden daneben definitiv die Show… Der nächste Band kommt auch Anfang Dezember; wahrscheinlich werde ich bis dahin mit meinem nächsten Großeinkauf warten.

PS: Obwohl ich den letzten Band vor über einem Jahr gelesen habe, schafft Cogman es auch gut, relevante Informationen so wieder einzuführen, dass man sich schnell an vorige Bücher erinnert, ohne dass es die Handlung unangenehm unterbricht. Sie macht das auf weniger Seiten als Butcher mit mehr Information und höherer Informationsdichte. Bei Harry Dresden fühlte ich mich beim Wiedereinstieg etwas mehr in der Schwebe als hier.

Speedy thing goes in, speedy thing comes out.
[Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert; zum letzten Mal von Wraith of Seth am 19.09.2021 17:09]
19.09.2021 17:06:12  Zum letzten Beitrag
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flowb

flowb
 
Zitat von Wraith of Seth

Sudhir Venkatesh - Gang Leader for a Day

Das Buch macht exakt das, was es verspricht: Es erzählt, größtenteils als Autobiografie, Venkateshs Feldarbeit in einem von Chicagos Housing Projects für seine Doktorarbeit. Das deckt etwa '89—'96 oder so ab.

Es beschäftigt sich wenig mit den eigentlichen akademischen Aspekten, die dann vielleicht eher in Freakonomics ausgeführt werden. Vor allem ist es irgendwas zwischen Bildungsroman, Autobiografie, Biografie, long form journalism, Ethnografie. Es ist dabei durchaus wunderbar gut wegzulesen. Ich habe selten Sachbücher derart schnell gelesen, aber es ist auch sehr im typisch amerikanischen Journalismusstil geglättet, der das ermöglicht und zugleich irgendwie oft die Individualität des Autors oder der wiedergebenen Menschen abtötet.

Das ist ein bisschen schade, weil die Beschreibung der sozialen Netze, der Komplexität von Menschen zwischen ihren Rollen als Eltern und Drogensüchtigen, der vielen internen wie externen Kräfte und Zwänge wirklich packend ist. Die Erklärung von vielem davon ist dann oft, weil mehr Narrative als Sachbuch, nur wenige Sätze lang; wie beispielsweise, dass viele Journalisten einfach nicht genug Vertrauen genießen, um adäquat und ausgewogen zu berichten, zumal sie sich oft auch mit der Polizeiperspektive auseinander setzen und damit dann jedes Restvertrauen verlieren. Wirklich neue Erkenntnisse waren da dann insgesamt für mich nicht wirklich dabei; aber die Komplexität wird trotzdem deutlich besser greifbar als es mein sonst doch arg akademischer Zugang so zulässt. Vergleichbar mit The Wire, in vielerlei Hinsicht.

Die vielen moralischen und akademischen Fehltritte, die Venkatesh in seiner immer wieder betonten Naivität dann begeht machen es aber auch oft unangenehm aus Gründen, die nicht im Thema begründet sind. Denn auch wenn vieles davon durchaus als mangelndes Bewusstsein über seine Mittelklasse-Privilegien durchgeht (und die Aufklärung darüber, ohne das böse P-Wort zu offen in den Mund nehmen zu müssen, wohl auch der Hauptimpetus hinter dem Buch sein dürfte), sind einige seiner Fehltritte imho auch symptomatisch für wirklich unbrauchbare Inhalte an Unis… Als beginnender Doktorand in Soziologie noch wenig von Ethik und Studiendesign zu verstehen, ist ja noch verständlich, aber dass er dann nach Jahren noch in gigantische Fettnäpfchen tritt, wenn es um Ethik, Folgen und Gesetzeslage angeht, ist ein Armutszeugnis für ein Doktorandenstudium. Und das ist, was man in einem Buch zu lesen bekommt, dass immer wieder betont, wie unzuverlässig seine Quellen sind, wie wenig er manchmal seine eigenen Motivationen und Aktionen hinterfragt, von jemandem geschrieben, der seine Naivität und Offenheit in den Vordergrund stellt. Das resultiert darin, dass ich irgendwie etwas vermisse, was über das bloße Beobachten hinaus geht. Da bleibt dann bei aller Lebendigkeit, bei aller emotionaler Wirkung manchmal das Gefühl zurück, nur den teilnehmenden Teil einer für das Laienpublikum editierten Ethnografie zu haben, ohne ausreichend Kontext zu haben, um das wirklich so hundertprozentig einordnen zu können. The Wire geht da immer härter mit Systemen und Institutionen ins Gericht, was die ganze subjektive Komplexität etwas gerichteter werden lässt.

Das macht das Buch nicht schlecht. Es ist toll und auf seine Art "unterhält es" (für sehr, sehr weit gefasste Begriffe von Unterhaltung, bei denen man auch fassungslos und hilflos zurückgelassen werden darf). Das ist vor allem viel Text, warum ich es toll, aber nicht megatolll fand.

Quoth the raven, "Nevermore!"


Wenn du the wire magst und auch den reportage Stil, dann solltest du “the corner” lesen. https://www.amazon.com/-/de/dp/0767900316/
Evtl auch homicide. Beides von David Simon, der nach seinen reportage Büchern the wire erschaffen hat.
19.09.2021 18:46:28  Zum letzten Beitrag
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Swift

swift
Ich habe ein paar Jahre kein Buch mehr gelesen, doch mir nun einen eReader gekauft, und begonnen weiter zu machen wo ich stehen geblieben bin:
https://en.wikipedia.org/wiki/Bourbon_Kid

3 Bände zum aufholen, und ich möchte einfach mal erwähnen wie gut der Stoff ist Breites Grinsen
20.09.2021 13:11:41  Zum letzten Beitrag
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Delta

AUP Delta 06.10.2019
Joe Abercrombie - The Wisdom Of Crowds

Lesen. 11/10. Ach, 14/10, keine Ahnung. Wer Abercrombie mag, wird es lieben. Wer Abercrombie nicht mag, für den hab ich eh keine Zeit
20.09.2021 13:28:52  Zum letzten Beitrag
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M'Buse

AUP M@buse 22.12.2015
Hab ich am Wochenende angefangen. Es ist so toll. Es packt einen direkt nach wenigen Seiten <3
20.09.2021 13:34:46  Zum letzten Beitrag
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Delta

AUP Delta 06.10.2019
Der absolut einzige Wehrmutstropfen, wenn man den so nennen will, ist dass man nicht glauben sollte hier würde irgendwas dauerhaft abgeschlossen werden. Leute sterben, aber es geht nicht nur weiter, am Ende denkt man sich "Ja und wann kommt die nächste Trilogie du Sack???" aber da Abercrombie die Dinger ja tatsächlich rausbringt und ich das Setting und die Charaktere liebe kann ich das nicht wirklich ernsthaft negativ bewerten Breites Grinsen
20.09.2021 13:41:33  Zum letzten Beitrag
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M'Buse

AUP M@buse 22.12.2015
Na das hoffe ich doch.
20.09.2021 13:43:03  Zum letzten Beitrag
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Delta

AUP Delta 06.10.2019
Frage an Leute die die Bücher vielleicht aufmerksamer gelesen haben als ich und da irgendeine Theorie anzubieten haben

Spoiler - markieren, um zu lesen:
Was den Hintergrund von Judge angeht? Ihr Name und ihre Erklärung(en) dafür sind ja offensichtlich nur ein "Joker"-Motiv da sie mehrere erzählt und am Ende selbst alle abwatscht, aber irgendwie fühlt es sich doch sehr an als gäbe es da noch irgendeine Verbindung die ich nur nicht sehen kann...
20.09.2021 16:32:17  Zum letzten Beitrag
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Wraith of Seth

wraith_of_seth
 
Zitat von flowb

Wenn du the wire magst und auch den reportage Stil, dann solltest du “the corner” lesen. https://www.amazon.com/-/de/dp/0767900316/
Evtl auch homicide. Beides von David Simon, der nach seinen reportage Büchern the wire erschaffen hat.


Die befinden sich tatsächlich schon ewig auf meiner ewig-langen Amazon-Wunschliste; aber da ich The Wire schon kannte, war ich irgendwie gespannter auf Chicago.

Auf einer ganz anderen Ebene fand ich es interessant, wie anders da Butchers Chicago ist; das wird manchmal seeeehr kurz angerissen, dass es schlechte und weniger schlechte Stadtteile gibt, aber er scheint da im Allgemeinen einen riesigen Bogen drum zu machen. Ich will ihm da jetzt nicht mal einen Vorwurf draus machen; es fällt nur auf.

You all saw it! That orphanage attacked me!
20.09.2021 16:49:41  Zum letzten Beitrag
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M'Buse

AUP M@buse 22.12.2015
https://stadt-bremerhaven.de/amazon-kindle-paperwhite-drei-neue-modelle-des-e-readers-vorgestellt/

Mit USB-C!!!!
Hoffentlich wird bald auch mal ein neuer Oasis vorgestellt. Bei meinem schwächelt der Akku mittlerweile merklich.
21.09.2021 18:35:37  Zum letzten Beitrag
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07.04.2021 21:07:30 Atomsk hat diesem Thread das ModTag 'buch' angehängt.

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