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 Moderiert von: Atti Atterkopp, Irdorath, statixx, Teh Wizard of Aiz


 Thema: Interessantes #16 ( Subnerdgruppenbeitragsammelthread )
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Müsli_Män

AUP Müsli_Män 20.07.2013
 
Zitat von Armag3ddon

Alles sehr abenteuerlich. Hat der Turm Tote zu beklagen?



Mindestens einen, ja. War aber eine natürliche Todesursache.
Und man hat das durchaus so konstruiert, dass der Turm keine äußeren Spuren von der Toilettennutzung davongetragen hatte. Wie genau das konstruiert war weiß ich aber nicht, das geht aus den vorhandenen Plänen nicht hervor
29.06.2024 19:14:11  Zum letzten Beitrag
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Sharku

AUP Sharku 12.12.2010
...
Danke für die kurze Abhandlung. Sehr interessant.
29.06.2024 19:48:54  Zum letzten Beitrag
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-=Q=- 8-BaLL

-=Q=- 8-BaLL
...
Find ich auch.

Hast du zum Arbeitsalltag noch mehr Details?

Moin
Moin
Licht noch an?
Jo
Licht noch an?
Jo
Licht noch an?
Jo
29.06.2024 19:57:17  Zum letzten Beitrag
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Müsli_Män

AUP Müsli_Män 20.07.2013
 
Zitat von -=Q=- 8-BaLL

Find ich auch.

Hast du zum Arbeitsalltag noch mehr Details?




Ja klar.
Also der Arbeitstag begann laut Dienstvorschrift quasi mit Sonnenaufgang. Dann war zunächst das Licht (Erst eine ölgespeiste Laterne, später dann ein Auer Glühlicht mit Gasbrenner) gelöscht und die Laternenfenster mit Vorhängen abgehängt. Das war vor allem wichtig, damit einfallendes Sonnenlicht sich nicht in den Prismen der Linse bündeln und den Brenner entzünden konnte.

Dann hatte es, wie bereits erwähnt, ja immer mindestens 3 Mann Besatzung auf dem Turm. Während der eine nun also in der Küche stand und das Frühstück bereitete, war einer oben im Dienstraum mit der Beobachtung des Seeraums und den verschiedenen abzusetzenden Meldungen befasst.
Im Zuge des Schiffsmeldedienstes war zum Beispiel wichtig, einkommende Fischereifahrzeuge mit ihren Fangzahlen nach Bremerhaven zu melden, da dort dann entsprechend Personal zum Löschen der Ladung eingeplant werden konnte. Außerdem beobachtete der Wärter, ob Fahrwassertonnen in der Nähe vertrieben wurden, sich ein Seenotfall oder dergleichen ereignete und führte das Wachbuch, in dem alle Beobachtungen eingetragen wurden. Der wachfreie Wärter nutzte die Zeit zunächst zum Schlafen.

Im Laufe des Tages befasste sich die Besatzung dann mit den verschiedenen Pflege- und Wartungsarbeiten. Der Turm wurde geputzt, kleinere Ausbesserungsarbieten vorgenommen und das Bauwerk in einem einwandfreien Zustand gehalten.
Besonderes Augenmerk kam dabei der optischen Anlage zu. Diese bestand neben dem Hauptfeuer und einem Nebenfeuer aus dem Otterblendensystem für die Taktgebung des Feuers. Die Aufgaben hier waren zahlreich (und mussten quasi täglich erledigt werden).
Bewegliche Teile wurden abgefettet und kontrolliert, der Brenner musste gewartet und eingestellt werden und, besonders wichtig, die vielen Prismen der Linsen waren zu putzen, ebenso wie die Fenster des Laternenraums.
Hinzu kam dann noch die schwere Nebelglocke mit ihrem Uhrwerkantrieb, der in regelmäßigen Abständen gewartet werden musste.
Währenddessen fand natürlich weiterhin der normale Wach- und Telegraphendienst statt.

Laut Dienstanweisung war eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang das Feuer zu entzünden. Den Brenner und das Blendensystem in Betrieb zu setzen erforderte eine ganze Reihe Handgriffe, beispielsweise musste das Uhrwerk für die Otterblenden aufgezogen werden.
FUnktionierte alles zufriedenstellend, hatten zwei der Wärter Freiwache und konnten sich ihren Hobbies widmen oder schlafen, der dritte war auf Wache.
Nachts war es vor allem wichtig, neben dem eigenen Feuer auch die verschiedenen Leuchttonnen und, soweit sichtbar, die anderen Leuchttürme zu kontrollieren. Die Besatzungen überwachten sich also quasi gegenseitig. Von Roter Snd aus konne man das Feuer von Hohe Weg, Wangerooge und evtl. (da bin ich mir nicht sicher) Meyers Legde in der Außenweser sehen, es waren also zusätzlich zum eigenen Leuchtturm und einer Reihe Tonnen noch zwei bis drei Leuchttürme zu überwachen.
Die Ablösung in der Nacht funktionierte dann übrigens wirklich so ähnlich wie von dir beschrieben. Die übliche Meldung war eigentlich: "Leuchtfeuer brennt, alle Tonnen und Türme sind zu sehen, sonst keine Vorkommnisse". Oder so ähnlich halt.

Bei Nebel kam halt noch hinzu, dass das Uhrwerk der Glocke regelmäßig aufgezogen werden musste. Wie da genau das zeitliche Intervall war, kann ich dir aber nicht sagen.

Nachdem in den 40ern der Generator eingebaut worden war, musste sich die Mannschaft auch darum kümmern. Der Motor im Keller lief tagsüber und lud große Akkus auf, aus denen dann nachts die Laterne gespeist wurde. Dann stand der Motor und die Besatzung konnte schlafen.

 
Zitat von Tobit

Klingt durchdachter als zunächst vermutet Breites Grinsen
Aber 8 Monate am Stück ist ja fast wie Knast.



In der Anfngszeit der bemannten Türme in der Weser war es so, dass auf dem Versorgungsschiff ein Maschinist fuhr, der sich aufs Haareschneiden und Bärte trimmen verstand, um die Wärter nach der langen Dienstzeit wieder halbwegs landgangstauglich zu bekommen.
[Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert; zum letzten Mal von Müsli_Män am 29.06.2024 20:29]
29.06.2024 20:24:19  Zum letzten Beitrag
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fantasio

Arctic
...
Danke für diese tolle Beitragsserie (like und glocke klicken gibbet hier ja nicht). Das Forum braucht mehre QualitätspOTismus wie diesen.
29.06.2024 20:52:02  Zum letzten Beitrag
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Armag3ddon

AUP Armag3ddon 04.01.2011
Wie oft wird auf der Wache so onaniert?
29.06.2024 20:52:22  Zum letzten Beitrag
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Drosselmeyer

AUP Drosselmeyer 04.08.2018
verschmitzt lachen
29.06.2024 20:56:03  Zum letzten Beitrag
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Shooter

shooter
...
 
Zitat von -=Q=- 8-BaLL

Find ich auch.

Hast du zum Arbeitsalltag noch mehr Details?

Moin
Moin
Licht noch an?
Jo
Licht noch an?
Jo
Licht noch an?
Jo



Traumjob.
29.06.2024 21:26:16  Zum letzten Beitrag
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[RPD]-Biohazard

Arctic
Wie lange mussten die denn da ausharren, Tage, Wochen, Monate? peinlich/erstaunt
Was ist mit Urlaub?
29.06.2024 22:24:52  Zum letzten Beitrag
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Smoking

AUP Smoking 09.09.2023
Ich bitte dich, Biohazard.
29.06.2024 22:36:55  Zum letzten Beitrag
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-=Q=- 8-BaLL

-=Q=- 8-BaLL
 
Zitat von Armag3ddon

Wie oft wird auf der Wache so onaniert?



Ich würde seriöslich die Frage nach Prostituierten stellen wollen.

---

Wie der Press Pool* den US-Präsidenten begleitet



* Das sind wenige Reporter*innen, die rotierend stellvertretend auf Schritt und Tritt mitreisen und die Infos dann einem größeren Kreis zur Verfügung stellen.
29.06.2024 23:48:04  Zum letzten Beitrag
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[KDO2412]Mr.Jones

[KDO2412]Mr.Jones
Danke für die Geschichte vom Turm!

Kleine Anmerkung:

 
Der Leuchtturm steht auf einem ovalen Sockel, der an seiner breitesten Stelle vielleicht 1,50m misst und der, außer bei Niedrigwasser, überspült ist.



1,5 m Durchmesser scheint mir zu wenig und wird durch das Bild auch eher nicht unterstützt... Augenzwinkern
30.06.2024 9:53:32  Zum letzten Beitrag
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AJ Alpha

aj_alpha
Vielleicht sind die 1.5m der Überstand und nicht der Durchmesser
30.06.2024 9:54:20  Zum letzten Beitrag
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Lunovis

AUP Lunovis 27.11.2007
 
Zitat von Shooter

 
Zitat von -=Q=- 8-BaLL

Find ich auch.

Hast du zum Arbeitsalltag noch mehr Details?

Moin
Moin
Licht noch an?
Jo
Licht noch an?
Jo
Licht noch an?
Jo



Traumjob.


Geht
Geht nicht
Geht
Geht nicht

alles gut.
30.06.2024 9:58:14  Zum letzten Beitrag
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Müsli_Män

AUP Müsli_Män 20.07.2013
...
 
Zitat von AJ Alpha

Vielleicht sind die 1.5m der Überstand und nicht der Durchmesser



Dies sei gemeint
30.06.2024 10:00:44  Zum letzten Beitrag
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AJ Alpha

aj_alpha
Was sonst, mein Dicker!

Sehr interessant alles. Die Nautiker insgesamt mit allen Beigewerken einfach vogelwild
30.06.2024 10:02:39  Zum letzten Beitrag
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Almi

[BC]Alm
...
 
Zitat von Müsli_Män

Um 1880 war man dann so clever, ein System zu entwickeln, um dort draußen einen festen Leuchtturm errichten zu können.

Ich will da jetzt nicht zu sehr in die Details gehen, das würde den Rahmen hier sprengen, bei Bedarf kann ich natürlich gern etwas ausführlicher werden.



Bitte, das finde ich eigentlich am spannendsten!
30.06.2024 10:49:47  Zum letzten Beitrag
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Flitzpiepe42

AUP Flitzpiepe42 07.10.2019
+1

und toller detaillierter Bericht, danke für die Mühen Müsli \o/
30.06.2024 11:01:44  Zum letzten Beitrag
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Müsli_Män

AUP Müsli_Män 20.07.2013
Okay, dann gibt's heute Abend einen Nachschlagpeinlich/erstaunt
30.06.2024 11:34:37  Zum letzten Beitrag
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Phillinger

AUP Phillinger 11.02.2013
Das mit dem Todesfall auf dem Turm stelle ich mir auch sehr …unangenehm für den Rest der Mannschaft vor. Wie lange mussten die mit dem Leichnam dort auf Ablöse warten?
30.06.2024 11:36:34  Zum letzten Beitrag
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Shooter

shooter
...
Woher weisst du das eigentlich alles?

 
Zitat von Phillinger

Das mit dem Todesfall auf dem Turm stelle ich mir auch sehr …unangenehm für den Rest der Mannschaft vor. Wie lange mussten die mit dem Leichnam dort auf Ablöse warten?


Direkt Seebestattung, wie aufm Schiff!
[Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert; zum letzten Mal von Shooter am 30.06.2024 11:38]
30.06.2024 11:37:10  Zum letzten Beitrag
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Müsli_Män

AUP Müsli_Män 20.07.2013
 
Zitat von Phillinger

Das mit dem Todesfall auf dem Turm stelle ich mir auch sehr …unangenehm für den Rest der Mannschaft vor. Wie lange mussten die mit dem Leichnam dort auf Ablöse warten?



Das ist nicht überliefert,kann aber nicht sonderlich lange gedauert haben, man konnte den Fall ja schnell melden.
In England gab es mal so einen Fall, da saß der Wärter (die waren zu zweit) wochenlang mit der verwesenden Leiche seines Kollegen auf dem Turm fest. Über Bord werfen wollte er den Körper nicht aus Angst, man würde ihn dann für einen Mörder halten.
30.06.2024 11:38:51  Zum letzten Beitrag
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Lunovis

AUP Lunovis 27.11.2007
 
Zitat von Phillinger

Das mit dem Todesfall auf dem Turm stelle ich mir auch sehr …unangenehm für den Rest der Mannschaft vor. Wie lange mussten die mit dem Leichnam dort auf Ablöse warten?


Ist ja nicht so, dass man die Hälfte der Zeit zu Fuss hinlaufen kann peinlich/erstaunt
30.06.2024 11:38:52  Zum letzten Beitrag
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[KDO2412]Mr.Jones

[KDO2412]Mr.Jones
Ach, da fährt ein Schiff hin und dann wird der Tote einfach mit dem Korb rübergeholt.

...

...es sei denn, das Wetter ist schlecht.
30.06.2024 11:40:17  Zum letzten Beitrag
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Phillinger

AUP Phillinger 11.02.2013
 
Zitat von Lunovis

 
Zitat von Phillinger

Das mit dem Todesfall auf dem Turm stelle ich mir auch sehr …unangenehm für den Rest der Mannschaft vor. Wie lange mussten die mit dem Leichnam dort auf Ablöse warten?


Ist ja nicht so, dass man die Hälfte der Zeit zu Fuss hinlaufen kann peinlich/erstaunt


Ne, da ja eben nicht. Selbst bei Niedrigwasser ca. 6m tief, lt. LeuchtturmMan.
30.06.2024 11:42:42  Zum letzten Beitrag
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Müsli_Män

AUP Müsli_Män 20.07.2013
 
Zitat von Shooter

Woher weisst du das eigentlich alles?



Naja, ich beschäftige mich mit dem Thema seit der zweiten Klasse, hab quasi jeden Fetzen Papier gelesen, den ich zu dem Thema in die Finger bekommen habe, hab meine Abschlussarbeit auf der Fachschule dazu verfasst und habe durch die Arbeit im Verein und in der Turmcrew eine Menge Leute kennen gelernt, u.a. den Ingenieur, der sich die Sache mit der Manschette für den Sockel ausgedacht hatte.

Und das bringt das halt so mit sich... Wobei es da durchaus Leute gibt, die noch mehr zu dem Thema sagen können.
Ich gelte im Bezug auf einen anderen Turm mittlerweile als Fachmann... Da ist die Quellenlage aber VIEL dünner. peinlich/erstaunt

 
Zitat von [KDO2412]Mr.Jones

Ach, da fährt ein Schiff hin und dann wird der Tote einfach mit dem Korb rübergeholt.

...

...es sei denn, das Wetter ist schlecht.



Genau. Und vermutlich hatten sie damals mit dem Wetter einfach Glück.
[Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert; zum letzten Mal von Müsli_Män am 30.06.2024 11:51]
30.06.2024 11:51:00  Zum letzten Beitrag
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FelixDelay

Arctic
Mitten im Wald plötzlich ein Bunker:




handelt sich um den Bunker einer Scheinzeche aus dem 2.WK:
https://www.regiofreizeit.de/attraktionen/scheinzeche-haard-hn-08-hn-08-8-oer-erkenschwick
https://bunker-nrw.de/index.php?threads/scheinzeche-in-der-haard.6174/
[Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert; zum letzten Mal von FelixDelay am 30.06.2024 17:58]
30.06.2024 17:57:37  Zum letzten Beitrag
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Müsli_Män

AUP Müsli_Män 20.07.2013
So, auf geht´s zu Runde zwei. Es war ja gefragt, ob ich noch ein bisschen was zum Bau des Leuchtturms schreiben kann:

Warum eigentlich?
Schon seit den Zeiten der Hanse waren die Häfen von Bremen und Oldenburg (später dann auch Bremerhaven) wichtige Handelszentren in Norddeutschland. Hinzu kam, dass vor allem Bremerhaven im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle bei der Auswanderung der Europäer nach Amerika spielte.
Das war bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt soweit auch alles kein Problem, wurde dann aber zu einer echten Herausforderung für alle Beteiligten. Dampfschiffe, die anders als Segelschiffe nach festen Fahrplänen verkehren konnten und wollten, mussten die Häfen auch bei Nacht und unsichtigem Wetter erreichen können. Da die Fahrwasser der Ems, Jade, Weser und Elbe recht schwierige Reviere sind (viele komplizierte, sich ständig veränderte Sandbänke und Untiefen) wurde es nötig, die Gewässer zu kennzeichnen und die vorgesehenen Fahrrinnen zu jeder Tag- und Nachtzeit sicht- und befahrbar zu machen.
1856 baute man daher auf einer weitläufigen Sandbank am westlichen Rand der Außenweser den Leuchtturm Hohe Weg, der quasi als erstes Leuchtfeuer nach Wangerooge die Weseransteuerung markierte (und noch bis heute markiert, er ist mittlerweile der zweitälteste, noch in Betrieb befindliche Leuchtturm Deutschlands). Außerdem legte man zwei Feuerschiffe, also schwimmende Leuchttürme aus, ein damals noch relativ neues System.
Wichtig erschien es natürlich auch, die eigentliche Weseransteuerung in der deutschen Bucht zu markieren. Hier stellte vor allem die Untiefe „Roter Grund“ eine Gefahr für die Schifffahrt dar.
Das Problem war nur, dass man den ursprünglichen Plan, auch hier ein Feuerschiff einzusetzen, aus zwei einfachen Gründen nicht verwirklichen konnte. Erstens sind Feuerschiffe im Unterhalt extrem teuer und zweitens verhinderten die stetig wandernden Sände am Roten Grund, dass der Anker eines Feuerschiffs gehalten hätte. Was also tun?
Der Bremerhavener Baurat Hanckes hatte die geniale Idee, auf dem Roten Grund, also mitten in der offenen See, einen Leuchtturm zu errichten.

Der Plan
Wie aber baut man einen Leuchtturm mitten im Meer? Was heute eigentlich ein Kinderspiel ist, war damals halt noch eine absolute Weltneuheit und zuvor nicht erprobt worden.
Hanckes plante, einen großen stählernen Kessel, einen sog. Caisson an Land fertigen zu lassen. Dieser sollte dann an den Bauplatz auf See geschleppt, dort kontrolliert auf den Meeresgrund abgesenkt und dann in mühevoller Handarbeit eingegraben werden. Dazu besaß der Caisson am unteren Ende einen Hohlraum, die sog. Taucherglocke. In diese sollten, stand der Kessel einmal am Grund, Arbeiter durch einen Schacht (den noch heute vorhandenen Pegelschacht) herabsteigen, Steine und andere Hindernisse beseitigen und anschließend das lose Sandmaterial mit Druck nach oben herausgespült werden, während man zeitgleich den oberen Teil des Caissons, auf dem sich neben Unterkünften und Werkstätten auch die Dampfmaschinen und Pumpen für die Arbeit befanden, mit Beton und Mauerwerk auffüllte, um ihn zu beschweren.
Einmal auf seine Solltiefe abgesenkt, bildete der Caisson dann das Fundament für den eigentlichen, aus Stahlplatten auf Spanten genieteten Leuchtturm Roter Sand.
Durchgeführt werden sollten die Arbeiten eigentlich von der Duisburger Stahlbaufirma Harkort, doch es kam anders. Eine, von einem ehemaligen Harkort Mitarbeiter in Bremen neu gegründete Firma namens Bavier & Kurz bekam den Zuschlag, da sie Harkort deutlich unterbieten konnten.

Der erste Versuch
Der erste Caisson erreichte am 26.05.1881 mit zwei großen Schleppern die Baustelle. Die gut 50km lange Fahrt von Bremerhaven hatte ganze fünf Tage in Anspruch genommen, da sich der Caisson unterwegs losgerissen hatte und auf eine Sandbank aufgelaufen war. So begann man später als geplant mit dem Absenken, was bereits nach wenigen Stunden schief ging, als der Caisson eine bedrohliche Schräglage erreichte. Man evakuierte die Baustelle und wartete ab, bis sich der Kessel nach einigen Tagen von selbst wieder in eine einigermaßen senkrechte Position verschoben hatte.
Das Problem war, dass durch die wochenlange Verzögerung beim Einsetzen der Herbststürme und der damit verbundenen Unterbrechung der Arbeiten der Caisson nicht weit genug ausgemauert und ausbetoniert worden war.
Am 13. Oktober 1881 sah der Wachgänger eines in der Nähe liegenden Feuerschiffs während ein er schweren Sturmflut, wie der Caisson plötzlich in der schäumenden See verschwand. Als das Wetter sich besserte wurde ein Taucher geschickt, der die Baustelle untersuchte und rasch melden konnte, dass der Kessel im oberen, noch nicht verfüllten Teil einfach abgebrochen war.
Man hakte die Sache ab, die Baufirma ging bankrott und das Thema Leuchtturm schien beendet.

Der zweite Versuch
Hanckes wollte jedoch nicht aufgeben und ließ einen zweiten Versuch unternehmen, diesmal von der bereits erwähnten Firma Harkort und unter Aufsicht des Ingenieurs Walter Körte, der in den Folgejahren zu DER Person im deutschen Seezeichenwesen werden sollte.
Am 31. August 1882 erhielt Harkort für umgerechnet 7,5 Millionen Euro den Zuschlag für den Bau und bereits am 28. Mai 1883 konnte der neue Caisson gut 1100m nördlich der ersten Baustelle abgesenkt werden. Am 22. Mai 1884 war das Fundament fertig und, wie bereits gesagt, konnte das Feuer des Turms am 01. November 1885 gezündet werden.


Transport des Caissons zur Baustelle

Soviel zum Bau des Leuchtturms.
Vielleicht mal noch als Ergänzung, weil hier von Arbeitsbedingungen die Rede ist: Roter Sand bildet in Deutschland eine absolute Ausnahme, was die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Leuchtturmwärter anbelangt.
Seetürme (Also Leuchttürme im mehr oder weniger offenen Wasser) gab es in Deutschland nur in recht geringer Zahl. Einer an der Elbe und zwei in der Ostsee waren von vorne herein für unbemannten Betrieb vorgesehen und von den insgesamt zehn Türmen, die man zwischen 1856 und 1964 in der Außenweser baute standen die meisten im Watt, fielen also die Hälfte des Tages über trocken, was der Besatzung längere Spaziergänge ermöglichte.
Auf Alte Weser, dem Nachfolger von Roter Sand von 1964 hatten die Wärter schon einigen Luxus im Vergleich zum alten Turm. Jeder hatte hier seinen eigenen Schlafraum, es gab Fernsehen, eine Werkstatt und genug Platz um sich zu bewegen.

Ist aber mittlerweile alles Geschichte, seit 1973 gibt es auf diesen Türmen keine Wärter mehr.
30.06.2024 18:20:30  Zum letzten Beitrag
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Gutholz

Arctic
Waren die drei Turmmenschen gleichberechtigt oder gab es einen Chef?
Und gibt es dramatische Turmkollergeschichten?

Von den Bildern wurde wohl viel Zeit damit verbracht Flueßigkeiten zwischen moeglichst urigen Gefaeßen hin und her zu gießen alá Die Hard 3.
[Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert; zum letzten Mal von Gutholz am 30.06.2024 18:40]
30.06.2024 18:36:31  Zum letzten Beitrag
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Tobit

tobit2
Zum Thema Caissons:
https://www.ardaudiothek.de/episode/alles-geschichte-history-von-radiowissen/grossbaustellen-der-geschichte-die-brooklyn-bridge/bayern-2/12640935/
30.06.2024 21:20:15  Zum letzten Beitrag
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 Thema: Interessantes #16 ( Subnerdgruppenbeitragsammelthread )
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