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 Moderiert von: Insaniac, Wahooka


 Thema: Die grüne Froschhaut ( Der schnöde Mammon )
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[MONGO]Jazz Jackrabbit

[MONGO]Jazz Jackrabbit
Frage Der schnöde Mammon
Ich arbeite als Hausaufgabenhilfe in einem Kinderzentrum in einem sozialen Brennpunkt
Hannovers. Als Hausaufgabenhilfe kommt man an das eine oder andere Schulbuch heran.
So auch an das Englisch-Buch eines 11-Klässlers, wo ich einen Text fand, der mir sehr
gut gefallen hat und der auch eine Thematik behandelt, die mich oft beschäftigt - also
habe ich mich rangesetzt und den Text übersetzt, um ihn hier im Forum präsentieren zu
können.

Lame Deer – Geschichtenerzähler, Rebell und Medizinmann wurde vor
ungefähr 100 Jahren im Rosebud Reservat in South Dakota geboren.


Die grüne Froschhaut

Die grüne Froschhaut – so nenne ich den Dollarschein. In unserer Auffassung von ihm
liegt der größte Unterschied zwischen Indianern und Weißen.

Meine Großeltern wuchsen in einer indianischen Welt auf, ohne Geld. Direkt vor dem
Kampf am Little Bighorn hatten die weißen Soldaten unter General Custer ihren Lohn
erhalten. Ihre Taschen waren vollgestopft mit grünem Papier, aber sie hatten keine Ge-
legenheit es auszugeben.

Was waren ihre letzten Gedanken, als eine indianische Kugel sie traf oder ein Pfeil
ihren Leib durchbohrte? Ich denke, sie dachten an all das verschwendete Geld, daran,
dass sie keine Chance mehr haben würden sich daran zu erfreuen, sie dachten an einen
Haufen dummer Eingeborener, die ihre schmutzigen Hände nun an ihr hart verdientes Geld
legen würden. Das muss mehr weh getan haben als der Pfeil zwischen ihren Rippen.

Tausend Pferde galoppierten über das Schlachtfeld und das Handgemenge hatte die Ebene
mit einer riesigen Staubwolke bedeckt. In dieser Staubwolke wirbelten die grünen Frosch-
häute umher, wie Schneeflocken in einem Eissturm.

Nun, was taten die Indianer mit all dem Geld?

Sie gaben es ihren Kindern, die damit spielen und diese merkwürdigen kleinen Papier-
stücke zu allen möglichen Formen falten konnten. Sie machten daraus Spielzeugbüffel
und Pferde. So konnte sich doch noch jemand an dem Geld erfreuen.

Bücher erzählen von einem Soldaten, der überlebte. Er entkam, aber wurde verrückt
und einige Frauen beobachteten ihn aus der Entfernung, als er sich selbst umbrachte.
Die Erzähler sagen immer, dass er Angst davor gehabt haben muss, gefangen und gefoltert
zu werden – aber das ist alles falsch.

Versteht ihr nicht? Stellt ihn Euch vor, auf dem Bauch kriechen in einer Erdmulde.
Er beobachtet was passiert. Er sieht die Kinder, wie sie mit dem Geld spielen und es
zerreißen, die Frauen, wie sie damit Feuer entfachen, um Essen zuzubereiten, er sieht
die Männer, wie sie sich mit grüner Froschhaut die Pfeifen anzünden. Aber was er noch
sieht, sind diese vielen schönen Dollarscheine, die mit dem Staub und dem Wind davon
getragen werden.

Es ist dieser Anblick, der den armen Soldaten in den Wahnsinn trieb. Er fasst sich
an den Kopf und brüllt: „Gottverdammt, Jesus Christus der Allmächtige, schau dir diese
dummen, blöden rothäutigen Hurensöhne an, wie sie all die Knete verschwenden!“ Er sieht
zu, bis er es nicht mehr aushält und bläst sich das Gehirn raus mit seiner Pistole. Das
wäre eine gute Szene für einen Film, aber es braucht ein indianisches Gemüt, damit man
es versteht.

Die grüne Froschhaut – das war es, worum dieser Kampf ging. Das Gold der schwarzen Berge,
das Gold in jedem Grasbüschel. Jeden Tag sieht man Leute über dieses Land reiten. Sie
haben einen Sack voll Getreidekörner an ihrem Sattelknauf hängen und immer, wenn sie eine
Öffnung eines Präriehundbaues sehen, schmeißen sie eine Handvoll Körner hinein, so wie
die nette alte Frau in Euren Stadtparks, die die Tauben füttert. Nur sind die Körner für
die Präriehunde vergiftet. Was mit dem Präriehund passiert, nachdem er vergiftet wurde ist
kein schöner Anblick. Der Präriehund wird vergiftet, weil er Gras isst. Tausend Präriehunde
essen soviel Gras in einem Jahr wie eine Kuh.

Wenn der Ranchbesitzer als so viele Hunde töten lässt, kann er eine Kuh mehr in seiner
Herde halten und ein bisschen mehr Geld verdienen. Wenn er einen Präriehund denkt, dann
sieht er nur die grüne Froschhaut, die ihm durch die Finger gleitet.

Für den weißen Mann hat jeder Grashalm und jede Wasserquelle ein Preisschild. Und das ist
das Problem, denn dadurch passiert Folgendes: Die Luchse und Kojoten, die sich von den
Präriehunden ernährt haben, müssen nun verstreuten und verletzten Kälbern nachjagen.
Der Ranchbesitzer ruft den Schädlingsbekämpfer, um diese Tiere zu töten. Dieser Mann
erlegt ein paar Hasen und legt sie mit einem Holzstück als Köder aus. Das Holzstück löst
einen Mechanismus aus, der dem Kojoten, der an dem Hasen zerrt Zyanid in das Maus sprüht.
Der Kammerjäger ist darauf spezialisiert, sorgsam und gründlich zu arbeiten, also hängt
er an jedes Holzstück die Warnung: „Achtung, Sprengstoff, Gift!“ Das Problem ist, dass
unsere Hunde nicht lesen können und einige unserer Kinder auch nicht.

So wird die Prärie zu einem Ort ohne Leben – keine Präriehunde, keine Dachse, Füchse
und Kojoten. Die grossen Greifvögel haben sich auch von den Präriehunden ernährt.
Man sieht heutzutage nur noch selten einen Adler. Der Weisskopfadler ist Euer Symbol.
Ihr seht ihn auf Eurem Geld, aber Euer Geld tötet ihn. Es steht schlecht um ein Volk,
das beginnt seine eigenen Symbole zu töten.

- Lame Deer

Ich finde, dieser Text beschreibt auf eindrucksvolle Art und Weise die Sicht der Indianer
und stellt Dinge in Frage, die für uns schon so selbstverständlich geworden sind, dass wir
andere Fragen auf diesen Dingen aufbauen. Inwiefern trägt Geld zur Kälte der Gesellschaft bei?

Und auch wenn die Verbannung des Geldes aus einer Lebensgemeinschaft die aus mehr
als aus 50 Tipis besteht utopisch ist und für uns nicht mehr vorstellbar - sollten wir
uns doch immer bewusst sein, wie wichtig uns kleine Papierfetzen sein sollten.




Indianische Grüsse
15.02.2004 22:10:40 Zum letzten Beitrag
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Smoking44*

AUP Smoking44* 22.04.2010
...
Also, ich steh' auf Plutokratie und irgendwelche Büffel oder stinkende Kojoten, die hinterrücks über einen lachen, und Roadrunner hab ich sowieso noch nie gemocht.
15.02.2004 22:22:25 Zum letzten Beitrag
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El Barto

el_barto
Ich zahle eh nur mit Kreditkarte.

Feiner Text Jazz, danke für die Übersetzung.
15.02.2004 22:53:00 Zum letzten Beitrag
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Treefolk

Marine NaSe II
Ich finde den Satz super. -->Für den weißen Mann hat jeder Grashalm und jede Wasserquelle ein Preisschild.
16.02.2004 0:28:35 Zum letzten Beitrag
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*moss*

moss
geld regiert die welt...sagt zumindest ein sprichwort. und leider ist das die realität. heutzutage kann man sich (fast) alles für geld kaufen, und ich denke das ist der grund, wieso schon die kleinsten der kleinen nach geld streben.

mich widern menschen an, von denen man sich mal 20 cent für nen brötle leiht, und die am nächsten tag ankommen, und diese 20 cent zurückverlangen. kann sein, dass ich das ganze ein bisschen zu locker sehe, und dass ich mit geld nicht gut umgehen kann weis ich selber, aber so kleinlich und geldgierig muss wirklich nicht sein. typisch deutsch denk ich al
17.02.2004 23:35:06 Zum letzten Beitrag
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[TAA]Phantomlord

AUP [TAA]Phantomlord 25.09.2009
Meine Mutter hat neulich erzählt, dass ne Frau zu ihr kam und ne Zwiebel reklamiert hat, die an einer Stelle etwas angefault war, nur oberflächlich allerdings. Die Zwiebel hat 3 Cent gekostet...
Ich hatte gestern ne interessante Unterhaltung mit Baader.
Er hat sich drüber aufgeregt, wie sich die Ossis für n paar Bananen verkauft haben, wie dumm wir doch alle sein und so weiter und so fort. Aber wenn ichs mir genau überlege...

Amerika - Indianer - Feuerwasser
Deutschland - Ossis - Bananen

Lang lebe das streben nach Profit!
18.02.2004 10:19:56 Zum letzten Beitrag
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[nAc]Tk0n

droog
 
Zitat von [TAA]Phantomlord
Ich hatte gestern ne interessante Unterhaltung mit Baader.
Er hat sich drüber aufgeregt, wie sich die Ossis für n paar Bananen verkauft haben, wie dumm wir doch alle sein und so weiter und so fort. Aber wenn ichs mir genau überlege...

Amerika - Indianer - Feuerwasser
Deutschland - Ossis - Bananen



fantastisches beispiel dafür was passiert wenn man die bild-zeitung zur meinungsbildung benutzt

dein verständniss für die situation in der sich die ostdeutschen befanden wird nur noch durch deine fundierte (in john wayne filmen erworbene) fachkenntniss über die indianer übertroffen Augenzwinkern
18.02.2004 11:12:31 Zum letzten Beitrag
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Jago

jaego
unglaeubig gucken
 
Zitat von [TAA]Phantomlord


Amerika - Indianer - Feuerwasser
Deutschland - Ossis - Bananen

Lang lebe das streben nach Profit!



hhihi. lustig.aber eigentlich gar nicht witzig, denn das muss fast noch härter für die ossis gewesen sein als für die indianer, überleg mal wieviele bananen du essen musst, bis sich rauschzustände einstellen, das geht ja auf keine kuhhaut, und vielleicht geht das auch überhaupt nicht, oder man muss die dinger gären lassen bis sich alkohol bildet, aber das dauert dann bestimmt ewig und ich bezweifle mal, ob bananen überhaupt gären. also da wär ich ja doch lieber ein indianer mit feuerwasser.
aber putziges spiel, mal schaun obs da noch andere beispiele gibt:

england - engländer - gutes essen
deutschland - muslimische frauen - kopftücher

usw...

gar nicht mal so unschlecht.
18.02.2004 12:17:52 Zum letzten Beitrag
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[THC]DrogenDragan

drogendragan
Frage
George W. Bush - irakische Massenvernichtungswaffen - Irakkrieg

Legalisierungsbefürworter - Hanfseile und Hanfkleidung - Haschischlegalisierung
18.02.2004 12:29:43 Zum letzten Beitrag
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[FGS]E-RaZoR

AUP [FGS]E-RaZoR 19.09.2011
Hast du das englische Original abgetippt oder so ?

Wenn ja, dann hätt' ich das gerne.
18.02.2004 12:53:46 Zum letzten Beitrag
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[kcW]Flux

flux
Zunge rausstrecken
scheiss Industrialisierung ...


:rolleyes:
18.02.2004 21:28:57 Zum letzten Beitrag
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[MONGO]Jazz Jackrabbit

[MONGO]Jazz Jackrabbit
 
Zitat von [FGS]E-RaZoR
Hast du das englische Original abgetippt oder so ?

Wenn ja, dann hätt' ich das gerne.



Dann gib mir mal Deine e-mail, ich schick Dir die Scans.



Verbindliche Grüsse
19.02.2004 12:25:28 Zum letzten Beitrag
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[DtS]theSameButcher

butcher
...und ich dachte es dreht sich alles um die kleinen elektronischen dinger die man am handgelenk trägt traurig

danke hasi das du mir die augen geöffnet hast
19.02.2004 15:03:07 Zum letzten Beitrag
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Obi-Lan

obi-lan
Voll politisch unkorrekt, ey, Hase. "Indianer".

Gefaellt mir ganz gut, es ist ja wahr, dass wir dermassen aufs Geld fixiert sind. "Geld regiert die Welt" ist meiner Meinung nach umsomehr korrekt, und das Prinzip vom Zahlungsmittel Geld ist in der heutigen Gesellschaft eines der besten dass ich mir ausmalen koennte.

Ist euch Geld wichtig? Mir naemlich schon, viele Leute sehen es ja als Charakterschwaeche an, zusehr auf Geld fixiert zu sein, die Moeglichkeiten die ich mir allerdings mit Geld eroeffnen kann sind fuer mich allerdings schlagende Argumente.
26.02.2004 1:47:23 Zum letzten Beitrag
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[VALAR]Shai-Hulud

[VALAR]Shai-Hulud
Geld ist mir nicht im geringsten wichtig. Ich hab nie das Gefühl wirklich Geldprobleme zu haben auch wenn ich keins habe. Ich nehm den Kram als notwendiges Übel zum überleben an und für mehr nicht.
26.02.2004 12:28:36 Zum letzten Beitrag
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[FGS]E-RaZoR

AUP [FGS]E-RaZoR 19.09.2011
Öh ja, vergessen.

post@joern-piontek.de

Merci.
26.02.2004 14:19:51 Zum letzten Beitrag
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[nAc]Tk0n

droog
 
Zitat von [VALAR]Shai-Hulud
Geld ist mir nicht im geringsten wichtig. Ich hab nie das Gefühl wirklich Geldprobleme zu haben auch wenn ich keins habe. Ich nehm den Kram als notwendiges Übel zum überleben an und für mehr nicht.



aber es lebt ja auch nicht jeder wie du mit seinen ganzen geschwistern auf nem hausboot
27.02.2004 11:03:43 Zum letzten Beitrag
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happysnackk

Leet
Da könnte man auch aus der ersten Seite des Anhalters zitieren:

"Dieser Planet [Die erde] hat ein Problem: Die meisten seiner Bewohner waren fast immer unglücklich. Zur Lösung dieses Problems wurden viele Vorschläge gemacht, aber die drehten sich meistens um das Hin und her kleiner bedruckter Papierscheinchen, und das ist einfach drollig, weil es im großen und ganzen ja nicht die kleinen bedruckten Papierscheinchen waren, die sich unglücklich fühlten."

Irgendwie trifft es Douglas Adams ziemlich genau auf den Punkt, wenn er meint, wir machen unser Glück von unserem Bankkonto, oder den darauf liegenden Papierscheinchen abhängig. Ehrlich gesagt ist das doch doof, oder?
Ich tausche lieber einen Gefallen gegen einen Gefallen, als für eine kleine Arbeit 5 Euro zu kassieren, und damit rechnen zu müssen, dass die Leute mich abkassieren, wenn ich 'mal was von ihnen will, aber leider ist das heute irgendwie nicht mehr selbstverständlich, obwohl wir in einer Gesellschaft leben,
in der das nicht umbedingt immer nötig wäre.
Geld hat nämlich die unangenehme Eigenschaft, dorthin zu fließen, wo es schon welches gibt. Und das bin nicht ich. Wer Geld hat, bekommt immer mehr Geld.
Wie ist es mit Gefallen? Wenn man jemandem einen Gefallen schuldig ist, kann man den nicht einfach so weitergeben, wie Geld. Gefallen sind nicht anonym.
So kann man sie nicht einfach weitergeben, weil sie auf die Leistung der Person, die sie erbringen muss, fixiert sind. Außerdem ist ein Gefallen auch immer eine Art Kredit. Ich erbringe jemandem eine Leistung, ohne dass ich dafür direkt entlöhnt werde. Wenn mir jemand eine Gegenleistung ausschlägt, sagt das schonmal etwas über seinen Charakter aus, und das wäre mir wichtiger als Geld, ich kann's nämlich verstehen, wenn mir jemand kein Geld zurückgeben will, weil er keines hat, aber einen Gefallen ausschlagen........

Zurück vom Bargeldlosen Dienstleistungsverkehr aka Gefallen zum Geld.
Ich hätte mal gerne gewusst, wie die Indianer das mit dem Transfer von Waren eingelöst haben. Obwohl ich glaube das System da nicht so skalierbar sind, da die Stämme untereinander geschlossene Gruppen waren, nicht so wie die heutige welt..

Ich hör besser mal auf zu schreiben.
27.02.2004 18:57:01 Zum letzten Beitrag
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 Thema: Die grüne Froschhaut ( Der schnöde Mammon )


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